Hoch über der Mosel: Unterwegs auf dem Calmont-Klettersteig

aus Auf anderen Pfaden

Steil, steiler, Calmont

Wer bei der Mosel nur an Burgen, Weinproben und Flussromantik denkt, sollte den Calmont-Klettersteig unbedingt auf seine Wanderliste setzen. Spektakulärer lassen sich Deutschlands Weinberge kaum erleben. Und manchmal wartet selbst nach dem schweißtreibendsten Anstieg genau das, was man sich gerade am meisten wünscht: eine eiskalte Schorle und ein Glas Moselwein.

Der Calmont liegt bei Bremm an der Mosel in Rheinland-Pfalz, zwischen Cochem und Zell. Mit einer Hangneigung von bis zu 68 Grad ist er der steilste Weinberg Europas. Er ragt rund 290 Meter über der berühmten Bremmer Moselschleife auf.

Mitten durch diese extremen Steilhänge führt der Calmont-Klettersteig. Er gilt als einer der spektakulärsten Wanderwege Deutschlands.

Blick über die Weinberge
und auf die Mosel: die Aussichten
sind in jede Richtung fantastisch.

Rundweg: Klettersteig hin, Höhenweg zurück

Bei knapp 30 Grad starteten wir in Ediger-Eller und entschieden uns für die Kombination aus Klettersteig auf dem Hinweg und Höhenweg zurück.

Schon nach den ersten Metern wurde klar: Das wird heute kein gemütlicher Spaziergang. Der Klettersteig selbst machte großen Spaß und bot immer wieder fantastische Ausblicke auf die Mosel. Seilpassagen, Leitern sowie kurze Klettereien über steile Felsen sorgten für jede Menge Abwechslung. Wobei man sagen muss, dass der Calmont-Klettersteig wenig mit einem alpinen Klettersteig gemein hat. Die ausgesetzten Stellen sind gesichert und für geübte Wanderer gut machbar. 

Los geht's an der Eisenbahnbrücke.
Los geht’s in Ediger-Eller.
Kurz darauf gehen wir schon
mitten durch die Weinreben.
Klettern, hangeln, überwinden:
Der Weg ist abwechslungsreich
und macht richtig Spaß.

Steiler Anstieg zum Gipfelkreuz

So richtig gefordert wurden wir allerdings erst auf dem Abschnitt vom Klettersteig hinauf zum Gipfelkreuz. Steil, nahezu ohne Schatten und in der Mittagssonne – das war der Moment, in dem wir uns nur noch dachten: „Ein Königreich für ein kühles Getränk, wenn wir endlich oben sind.“

Und dann kam die Überraschung des Tages.

Oben am Gipfelkreuz hatte die kleine „Weinschänke am Gipfelkreuz“ tatsächlich geöffnet (April bis Oktober täglich). Besser hätte das Timing nicht sein können. Eine eiskalte Traubensaftschorle später war die Welt wieder in Ordnung.

Danach gönnten wir uns noch zwei Gläser Moselwein und ließen den Blick über die Bremmer Moselschleife schweifen. Hach – dort hätten wir noch ewig sitzen können. Genau solche Momente machen eine Wanderung unvergesslich. 

Ein Hoch auf die Weinschänke!
So lässt es sich aushalten!
Die Bremmer Moselschleife. Wow.

Zurück über den Calmont-Höhenweg

Mit neuer Energie ging es anschließend deutlich entspannter über den Höhenweg zurück nach Ediger-Eller. Vorbei an einem römischen Heiligtum bot der Rückweg immer wieder großartige Ausblicke – unter anderem den sogenannten Vierseenblick – und fühlte sich nach der ausgedehnten Pause fast schon wie lockeres Auslaufen an. Aber eben nur fast.

Todesangst über der Mosel

Zum Abschluss machten wir noch einen Abstecher zur „Todesangst“, einem schmalen, felsigen und ausgesetzten Aussichtspunkt direkt an der Abbruchkante des Schieferhangs. Der Name klingt zwar etwas dramatisch – niemand muss hier Todesängste ausstehen – aber allzu nah an die Kante möchten wir dort trotzdem nicht treten.

Nach einer guten Stunde hatten wir unseren Ausgangspunkt in Ediger-Eller wieder erreicht.

Klingt dramatischer als es ist:
Beim Aussichtspunkt „Todesangst“
muss sich niemand fürchten.

Fazit

Der Calmont Klettersteig ist definitiv kein Spaziergang – vor allem nicht bei hochsommerlichen Temperaturen. Aber genau die Mischung aus spektakulären Panoramen, einem Hauch Abenteuer und der unverhofften Einkehr am Gipfel macht diese Tour zu einem echten Highlight hoch über der Mosel. Für uns war sie jede Schweißperle wert.

 

Gesamtdistanz: 8,1 Kilometer

Höchster Punkt: 381 Meter

Tiefster Punkt: 94 Meter

Aufstieg: 420 Höhenmeter

Abstieg: 420 Höhenmeter 

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